Zu viele Demenzkranke in Heimen erhalten Neuroleptika

Der gerade vorgestellte Pflege-Report 2017 enthüllt: 43 Prozent der Demenzkranken in Pflegeheimen bekommen Neuroleptika. Dabei sind die allermeisten der Mittel gar nicht für Demenzpatienten zugelassen – und wenn, dann nur für maximal sechs Wochen. Im Heimalltag werden sie dagegen oft für die Dauertherapie genutzt. Zwar gehe es zehn bis zwanzig Prozent der Patienten dank der Neuroleptika besser, sagt die Pharmakologin Sandra Thürmann, die für den Report der AOK 850 Heimbewohner untersucht hat, aber die Nebenwirkungen seien auch der Grund für zusätzliche Todesfälle, Schlaganfälle und Verschlechterungen der Denkfähigkeit. Die Pflegeheime tragen hier nicht allein die Verantwortung. Verordnen muss die Mittel immer ein Arzt. Oft tut der das wohl aber auf Drängen der Pfleger. Von 2500 für den Report befragten Pflegekräften gab fast ein Drittel an, regelmäßig bei Ärzten auf die Verordnung der Mittel hinzuwirken. Viele nannten Zeitmangel als Grund dafür, dass sie nicht auf Alternativen zu Medikamenten zurückgriffen.